Von:
Gerhard Beck

e-diaspora.de

Diaspora: Diesen Begriff kennt kaum jemand außerhalb der Kirche. Ursprünglich bezeichnete er Juden, die nicht in Israel lebten: Sie lebten in der Diaspora. Inzwischen gibt es auch eine katholische Diaspora oder eine evangelische Diaspora. In der letzteren lebe und arbeite ich. Mein Gemeindegebiet umfasst Orte, in denen es unter 1% evangelische Christen gibt. Wenn es welche gibt.

In der Bibel gibt es einen Vers, der auf Christen in der Diaspora wie zugeschnitten ist: In ihm sagt Jesus: „Wo zwei der drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen.“ Seitdem ich in der Diaspora arbeite, wächst mir dieser Vers immer mehr ans Herz. Zu manchen Gottesdiensten und Veranstaltungen kommen eben auch nur zwei oder drei.

So zum Beispiel eine Veranstaltung zur Fastenzeit. Eigentlich ein ökumenisches Thema, ich hatte mit mindestens zehn Teilnehmern gerechnet. Im Gemeindesaal saßen dann zwei ältere Damen, die auch eigentlich nicht mitreden wollten, sondern eher zuhören. Nun wenn, wo zwei oder drei!

Je mehr ein Gespräch zustande kam und je länger es ging, um so tiefgreifender wurde das Thema behandelt. Und bis heute war diese Veranstaltung eine der besten, die ich je erlebt habe.

In der Diaspora wird es mir oft bewusst: Nicht die Anzahl der Teilnehmer lässt eine Veranstaltung gelingen. Das ist wirklich die Anwesenheit Gottes, der Heilige Geist.

In der Diaspora kämpft man zwar oft als Einzelkämpfer, aber als Minderheit ist man miteinander verbunden. Auch über weite Strecken kennt und hilft man sich. Und wenn man einmal betrübt oder verzweifelt ist, dass gar so wenig kommen, dann hilft die Zusage Gottes: Wo zwei der drei in meinem Namen versammelt bin, da bin ich mitten unter Ihnen.